Didyma, der hellenistisch-römische Tempel

3. Das innere Tempelgebäude

Wenn man die doppelte Ringhalle durchschritten hat, gelangt man in den Pronaos, dessen Decke von 12 Säulen - drei Reihen von je 4 Säulen - getragen wurde (Dodekastylos). An diesen Säulen und den Wänden des Pronaos bemerkt man noch die sehr starken Brand-spuren aus der mittelalterlichen Festungszeit. Ein sorgsam ausgearbeitetes attisches Fussprofil, der untere Torus mit Flechtband, der obere mit waagerecht liegenden Schuppen, verläuft entlang den Innenwänden des Pronaos und an den Anten; an den Aussenwänden sind beide Motive erst angelegt.

Wenn man von einer der Anten oder rückwärtigen Ecken des Tempels an der Tempelmauer entlang blickt, bemerkt man, dass Fuss-profil, wie auch Wände und Gebälk nicht waagerecht versetzt sind,sondern eine Kurvatur aulweisen, sicherlich nach dem Vorbild des Parthenon, doch hier zum ersten Male bei einem ionischen Tempel. Die künstlerische Absicht war (wie bei der Schwellung [Entasis] der Säulenschäfte) spannungslose, gerade Linien und den Eindruck eines Durchhängens der Horizontalen zu vermeiden.

In der Rückwand des Pronaos befinden sich drei Türen, von welchen die mittlere, die wir als Frscheinungstür bezeichnet haben, ihre Schwelle etwa in Schulterhöhe (1,46 m) hatte, vom Pronaos aus also nicht betretbar war. Die 5,63 m breite Türöffnung war so hoch (14,00 m),dass eine Säule des Parthenon mit ihrem Gebälk darin hätte Platz finden können und einer der seitlichen Türgewändeblöcke hatte ein Gewicht von 70 To; es sind die grössten Marmorblöcke, die in griechischer Zeit verwendet worden sind und mit Schiffen von der Insel Thasos herangebracht und vom Hafen Panormos herangeschleift werden mussten.

Die beiden seitlichen Türen normaler Größe (1,20>< 2,25 m) sind die Eingänge zu zwei engen, überwölbten Korridoren mit Rampen, die in geheimnisvoller Weise zum Adyton, d.h. dem unüberdeckten Sekos hinabführten und die nur von wenigen Eingeweihten, die Zugang zum Inneren des Tempels hatten, benutzt werden durften. Am unteren Ende der Rampen liegen kleine Räume mit Kasettendecken. Es mag für jeden Besucher ein überwältigender Eindruck gewesen sein, wenn er aus dem mystischen Dunkel des Tunnels in den hellen, von Lorbeerbüschen begrünten Hof trat und sich dem zierlichen Kultschrein zwischen den hohen Wänden des Sekos gegenüber befand, über dem sich der Himmel wie eine leuchtende Decke spannte. Die Ausgangstüren haben dorische Formen, was in der sonst ionischen Formenwelt auffällt und mit einer bewussten Angleichung an die Athener Propyläen erklärt wird.

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